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Irak Land: iq

Risikostufe:
Risikostufe 4
Staat Irak

Republik Irak

Haupstadt: Bagdad
Fläche: 434.128 qkm
Bevölkerung: 38,27 Mio. (2017)
Währung: Irakischer Dinar
Staatsform: Föderale Republik
Amtssprachen: Arabisch, Kurdisch

Risiken

  • Terrorismus
  • Unruhen und Kampfhandlungen
  • Entführungen
  • (Gewalt-)Kriminalität
  • Korruption

Übersicht

Die US-geführte Intervention im Frühjahr 2003 beendete die jahrzehntelange Herrschaft der Ba´ath-Partei unter Saddam Hussein und stürzte das Land ins Chaos. In den Folgejahren entfalteten sich Terrorismus, Kriminalität und Korruption und kosteten tausenden von Irakern und Soldaten der Koalition das Leben. Ende 2011 zogen die letzten US-Soldaten aus dem Land ab, seit 2014 beteiligten sich die US-Streitkräfte und Verbündete aber wieder an Luftangriffen gegen Jihadisten des Islamischen Staats.


Zu den wesentlichsten Faktoren für die Sicherheitslage gehören die ethnischen/religiösen Spannungen zwischen Kurden sowie sunnitischen und schiitischen Arabern, die Aktivitäten islamistischer und baathistischer Untergrundgruppen, der Einfluss des Iran, der Status der kurdischen Autonomiegebiete und der umstrittenen Stadt Kirkuk, Übergriffe gegen die christliche Minderheit und die Aufteilung der Öleinnahmen. Die Regierung kommt seit Beginn 2016 immer stärker unter Druck, da die Bevölkerung auf Reformen und die Bekämpfung der verbreiteten Korruption drängt, dies von den Parlamentsparteien aber bisher verhindert wird. Die letzte Parlamentswahl fand 2018 statt, die Überprüfung der Auszählungsergebnisse und die Koalitionsverhandlungen zogen sich danach über mehrere Monate hin.


Am 25. September 2017 sprach sich eine klare Mehrheit der irakischen Kurden für eine staatliche Unabhängigkeit aus, die Regierung in Bagdad wies das Ergebnis des Referendums zurück. Am 16. Oktober 2017 traten irakische Regierungstruppen zum Angriff auf Kirkuk an, die kurdischen Peschmerga zogen sich weitgehend kampflos zurück. Nach wenigen Tagen einigten sich die Konfliktparteien auf einen Waffenstillstand, die kurdischen Unabhängigkeitspläne waren damit de facto gescheitert.


Die Vielzahl der beteiligten Akteure, Gruppen und Interessen macht die lokale Sicherheitslage weitgehend unvorhersehbar. Während die Kurdengebiete bisher als relativ sicher galten, ist die Lage in Bagdad sowie in den Räumen Fallujah, Abu Ghraib, Ramadi, Baquba, Basra, Samarra und Tikrit kritisch. Hier kommt es immer wieder zu teils verheerenden Terroranschlägen, die meisten Angriffe richten sich gegen die Sicherheitskräfte, Politiker und Schiiten im Allgemeinen. Die schiitisch dominierten Gebiete im Süden des Landes sind außerdem von internen Machtkämpfen betroffen. Im Sommer 2018 kam es insbesondere im Süden des Landes zu teils gewaltsamen Demonstrationen gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und die schlechte Infrastruktur. Im Oktober 2019 hoben die Proteste erneut an, am 1. Dezember 2019 erklärte Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi deshalb seinen Rücktritt.


Im November/Dezember 2013 überrannten Kämpfer des Islamischen Staats die Städte Fallujah und Ramadi, im Juni und August 2014 griffen Kämpfer des IS erfolgreich mehrere mehrheitlich sunnitische Städte an und schlugen die Sicherheitskräfte in die Flucht. Schließlich autorisierte die US-Regierung Luftangriffe zur Unterstützung der irakischen Sicherheitskräfte, auch andere US-Verbündete beteiligten sich an den Operationen. Im Oktober 2016 traten die irakischen Sicherheitskräfte zur lang erwarteten Offensive gegen den IS in Mossul an, im Dezember 2017 verkündete die Regierung den endgültigen Sieg über den Islamischen Staat. Inzwischen haben sich einige Nachfolgeorganisationen etabliert, laut UNO befinden sich noch Tausende Jihadisten im Irak.

Sicherheitshinweise für Frauen

Unter der Herrschaft von Saddam Hussein war der Irak einem säkularen Staats- und Gesellschaftsmodell verpflichtet, in den letzten Jahren haben allerdings islamische Traditionen wieder an Bedeutung gewonnen. Eine Folge der säkularen Ausrichtung ist, dass zahlreiche einheimische Frauen gut ausgebildet und berufstätig sind, was sich teilweise auch auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft ausgewirkt hat. Dennoch wird von einheimischen Frauen erwartet, sich im Hintergrund zu halten und sich vorwiegend um Haushalt und Kinder zu kümmern. Die Städte sind in dieser Hinsicht wesentlich progressiver als abgelegene Landesteile. In den letzten Jahren haben islamistische Gruppen ihre Angriffe auf Frauen, die für ihre Rechte eintreten, deutlich verstärkt, so wurden mehrere bekannte Aktivistinnen bei Attentaten getötet. Beobachter warnen inzwischen davor, dass die zunehmende terroristische Gewalt durch islamistische Gruppen das Land in Bezug auf Frauenrechte um Jahrzehnte zurückwerfen könnte. Ausländerinnen sind davon bisher nicht direkt betroffen, falls sie sich nicht politisch engagieren.

 

Im Bereich der Kurdischen Regionalregierung können sich allein reisende Frauen ebenso frei bewegen wie im Westen, zumal die kurdische Politik seit Jahrzehnen die Gleichberechtigung der Frauen fördert. Auch in den anderen Landesteilen hat die jahrelange Präsenz westlicher Frauen - vorwiegend Soldatinnen und Mitarbeiterinnen internationaler Organisationen und NGOs - zu einer gewissen Gewöhnung geführt. Ebenso wie in anderen arabischen Ländern haben westliche Frauen einen Sonderstatus und unterliegen nicht den gleichen Verhaltensnormen wie Irakerinnen.

 

Annäherungsversuche und Belästigungen kommen vor, Vergewaltigungen oder tätliche Angriffe sind nicht verbreitet. Grundlegende Sicherheitsvorkehrungen sollten dennoch getroffen werden. So sollten abgelegene oder schlecht beleuchtete Gegenden nach Einbruch der Dunkelheit gemieden werden, auch persönliche Wertsachen sollten sicher und körpernah getragen werden.


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