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Syrien Land: sy

Risikostufe:
Risikostufe 4
Staat Syrien

Arabische Republik Syrien
Hauptstadt: Damaskus
Fläche: 185.180 qkm
Bevölkerung: 20,1 Mio. (2006)
Währung: 1 Syrisches Pfund = 100 Piaster
Staatsform: Präsidiale Volksrepublik
Amtssprache: Arabisch

Risiken

  • Kriminalität
  • Terrorismus und Bürgerkrieg
  • Unruhen, Zusammenstöße und Menschenrechtsverletzungen

Übersicht

Nach den Unruhen in Tunesien und Ägypten Anfang 2011 eskalierten im März desselben Jahres die Proteste in Deraa im Süden des Landes, dabei wurden mehrere Menschen von den Sicherheitskräften erschossen. Innerhalb kurzer Zeit entwickelten sich die anfänglich friedlichen Proteste zu einem unerbittlich geführten Bürgerkrieg: Bis 2019 sollen mehr als 350.000 Menschen ums Leben gekommen sein, mehrere Millionen wurden vertrieben.


2011 hatte sich zunächst die säkular orientierte Freie Syrische Armee (FSA) zunächst als wichtigste Organisation der Aufständischen etabliert, 2012 kristallisierte sich die islamistische Al-Nusrah-Front, die als syrischer Arm der Al-Qaeda gilt, als wichtigste Miliz. Danach kristallisierte sich die irakische Gruppe Islamischer Staat (IS) als wichtigster Akteur heraus und beherrschte vorübergehend den Osten und Norden des Landes. Anfang 2014 autorisierten die US-Regierung und einige regionale Verbündete die Lieferung moderner Panzerabwehrraketen an die Aufständischen.


Am 23. September 2014 begannen US-Kampfflugzeuge gemeinsam mit regionalen Verbündeten mit der Bombardierung von Stellungen islamistischer Aufständischer in Zentralsyrien, mit der syrischen Regierung waren die Angriffe nicht abgestimmt. Seit September 2015 unterstützen russische Kampfflugzeuge mit Luftangriffen auf Stellungen des Islamischen Staates (IS) die syrischen Regierungstruppen. Der IS mußte seit 2015 massive Gebietsverluste hinnehmen und wurde 2018/19 weitgehend zerschlagen. Ende August 2016 intervenierten erstmals türkische Bodentruppen nördlich von Aleppo, die Angriffe richteten sich dabei vorwiegend gegen den IS und gegen die syrischen Kurden. Im Sommer 2018 zerschlugen die Regierungstruppen die letzten Rebellenstützpunkte im Raum Damaskus und anschließend im Bereich der Golanhöhen, bevor sie sich der Provinz Idlib im Nordwesten zuwandten.

Anfang 2017 wurde nach internationaler Vermittlung ein Waffenstillstand ausgerufen. Inzwischen hat sich die Lage im Land weitgehend stabilisiert, Kampfhandlungen beschränken sich vorwiegend auf Ostsyrien, die Provinz Idlib im Nordwesten und den Südwesten des Landes sowie die östlichen Grenzregionen. Im Oktober 2019 traten die türkischen Streitkräfte zu einer Offensive gegen "kurdische Terroristen" in Nordostsyrien an und überschritten an mehreren Stellen die Grenze zu Syrien, die Kurden schlossen daraufhin ein Abkommen mit der Regierung in Damaskus ab. Die USA zogen gleichzeitig die Masse ihrer Truppen aus Ostsyrien ab, die dort ohne Zustimmung der Regierung in Damaskus einige Stützpunkte betrieben hatten.


Beobachter berichten seit Beginn der Unruhen und der damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen auch von zunehmender Gesetzlosigkeit und steigender Kriminalität im ganzen Land: betroffen sind davon vor allem die großen Städte und die Gebiete an der Mittelmeerküste, besonders Entführungen kommen immer häufiger vor.

Sicherheitshinweise für Frauen

Vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs galt Syrien insgesamt als sehr sicher für Frauen. Inzwischen ist die Lage vom konkreten Ort abhängig: In jenen Landesteilen, die vom Islamischen Staat beherrscht werden, gilt die Scharia in ihrer extremsten Ausprägung. Frauen dürfen sich dort nur komplett bedeckt in der Öffentlichkeit bewegen, Reisen sind nur in Begleitung männlicher Verwandter zulässig. Weibliche Angehörige religiöser Minderheiten wurden wiederholt Opfer von Vergewaltigung, Versklavung und Menschenhandel. In krassem Gegensatz dazu steht die Stellung der Frau in den kurdischen Gebieten. Weibliche Kämpferinnen sind Teil der syrisch-kurdischen Milizen, analog zu Peschmerga-Einheiten in der Türkei oder im Irak.

 

In jenen Teilen des Landes, die unter Regierungskontrolle stehen, gelten nach wie vor jene vergleichsweise liberalen Gesetze, die vom säkularen Baath-Regime erlassen wurden. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass ländliche Regionen nach wie vor wesentlich stärker islamischen bzw. lokalen Traditionen verhaftet sind. Dies gilt insbesondere in Bezug auf Kontakte zwischen unverheirateten Frauen und Männern sowie auf die als "angemessen" betrachtete Kleidung. Von westlichen Touristinnen wird eine Anpassung an lokale Gegebenheiten nicht erwartet, dezente Bekleidung und Verhalten ist allerdings anzuraten.

 

In den Regionen am Mittelmeer, wo die Minderheit der Aleviten dominiert, können sich Frauen weitgehend freizügig bewegen. Abgesehen von Anbahnungsversuchen oder Fällen von sexueller Belästigung bestehen kaum spezifische Risiken für Frauen.


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