g Länderübersicht - Algerien

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Algerien Land: dz

Risikostufe:
Risikostufe 3
Staat Algerien

Demokratische Volksrepublik Algerien
Hauptstadt: Algier
Fläche: 2.381.741 qkm
Bevölkerung: 32 Mio. (2008)
Währung: 1 Algerischer Dinar = 100 Centimes
Staatsform: Präsidialrepublik
Amtssprache: Arabisch; Tamazight, Französisch

Risiken

  • Kriminalität
  • Entführungen
  • Terrorismus
  • Demonstrationen

Überblick

Algerien ist nach wie vor vom blutigen Bürgerkrieg zwischen militanten Islamisten und der Regierung traumatisiert, der in den 1990er Jahren weit mehr als 150.000 Menschen das Leben gekostet hat. Noch immer sind einige islamistische Zellen im Land aktiv, die sich mittlerweile der Al-Qaeda angeschlossen haben und als „Al-Qaeda im Islamischen Maghreb“ (AQIM) firmieren. Ihre Anschläge richten sich vorwiegend gegen die Streit- und Sicherheitskräfte, Regierungsvertreter und westliche Staatsbürger und Einrichtungen. Im Sommer 2011 verzeichneten die Behörden eine Zunahme der terroristischen Anschläge, dies wird auch auf den Bürgerkrieg in Libyen zurückgeführt. Seit dem Sommer 2012 wirkt sich auch die unsichere Lage in Mali negativ auf die Sicherheitslage im Süden von Algerien aus.


Touristen wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Opfer von Entführungen, vor allem in den abgelegenen Gebieten der Sahara. Es gibt allerdings immer wieder Indizien dafür, dass vermeintliche "islamistische" Entführer vor allem von finanziellen Interessen getrieben sind. Gesellschaftliche Konflikte wie die hohe Arbeitslosigkeit, die grassierende Korruption, die oligarchischen Besitzverhältnisse und die Autonomieforderungen der Minderheit der Berber tragen ebenfalls zur internen Instabilität bei.


Nach dem raschen Umsturz in Tunesien im Jänner 2011 kam es auch in Algerien zu teils gewaltsamen Demonstrationen, an denen sich insbesondere arbeitslose Jugendliche beteiligten. Unmittelbarer Auslöser für die Zusammenstöße waren Preiserhöhungen von Grundnahrungsmitteln, die tieferliegenden Ursachen sind vor allem die ungleiche Einkommensverteilung und die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Im Februar 2011 hob die Regierung einige Beschränkungen des seit fast 20 Jahren geltenden Ausnahmezustands auf, im Juni desselben Jahres wurde ein erster Entwurf für eine neue Verfassung vorgelegt. Mittlerweile kommt es im ganzen Land immer wieder zu lokalen Protesten gegen soziale Missstände und wirtschaftliche Probleme, eine schlagkräftige nationale Protestbewegung hat sich daraus aber bisher nicht entwickelt. Viele Aktivisten beklagen vor allem die politische Verkrustung, die alle politischen Reforminitativen erstickt. Auf der kommunalen Ebene haben islamistische Kräfte in den letzten Jahren deutlich an Einfluss gewonnen, seit 2016 hat sich vor allem die bisher unauffällige Mittelschicht deutlich politisiert.


Die Kriminalität ist in den letzten Jahren gestiegen. Insbesondere Eigentumsdelikte wie Diebstahl und Handtaschendiebstahl sind weit verbreitet, Auto- und Wohnungseinbrüche kommen ebenfalls vor. Manchmal errichten Kriminelle illegale Straßensperren, geben sich als Polizisten aus und rauben die Autos ihrer Opfer. Im Süden des Landes sind die staatlichen Sicherheitskräfte nur punktuell präsent.

Sicherheitshinweise für Frauen

Gewalt gegen Frauen ist in Algerien insgesamt weit verbreitet. Das 2005 novellierte Familienrecht diskriminiert Frauen nach wie vor, auch der Bürgerkrieg der 1990er Jahre hat zu einer Verrohung der Gesellschaft beigetragen. Anfang 2016 wurde ein neues Gesetz gegen sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen nach langem hinhaltenden Widerstand religiöser Würdenträger verabschiedet. Insbesondere Gewalt in der Ehe kann nun hart bestraft werden, aber auch Belästigungen im öffentlichen Raum sind nun eindeutig verboten. Besonders häufig sind in der Regel Angehörige von Minderheiten betroffen, also Berberinnen und Migrantinnen aus Sub-Sahara-Afrika. Ländliche Regionen sind grundsätzlich traditioneller als die großen Städte.


2015 wurden insgesamt rund 7.500 Fälle von Gewalt gegen Frauen gemeldet, Beobachter gehen aber davon aus, dass dies nur ein Fünftel der tatsächlichen Fälle ausmacht. Ca. 20% der offiziellen Fälle sind sexueller Natur - ein Thema, das nach wie vor tabuisiert ist und in der Öffentlichkeit kaum angesprochen wird. Soziologen nehmen an, dass die verbreitete Gewalt gegen Frauen, insbesondere sexuelle Belästigung, auch mit den gesellschaftlichen Veränderungen in Algerien zu tun hat. Frauen stellen mittlerweile 65% der Akademiker und profitieren nach wie vor von den progressiven Reformen nach der Unabhängigkeit. In den 1990er hat der Aufstieg der Islamisten zwar eine Trendwende eingeleitet, inzwischen haben sich die algerischen Frauen aber wieder viele Freiheiten erkämpft. Die Auseinandersetzungen zwischen traditionalistischen, religiösen Kreisen und progressiven Reformen prägt nach wie vor die Debatte um die Rolle der Frauen. In den letzten Jahren haben islamistische Kräfte auf der kommunalen Ebene deutlich an Einfluss gewonnen, sie thematisieren häufig die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Laut Schätzungen tragen 70% aller Algerierinnen ein Kopftuch, auf dem Land bis zu 90%.


Vom Tragen allzu freizügiger Kleidung, beispielsweise Minirock, Oberteilen mit Spaghettiträgern, hautengen Oberteilen und Hosen, etc., wird ausländischen Besuchern speziell auf öffentlichen Plätzen abgeraten. Das Tragen eines Kopftuches ist, ausser beim Betreten einer Moschee, nicht vorgeschrieben. Im Allgemeinen wird jedoch geraten, die islamischen Traditionen zu beachten. Auch wird empfohlen, sich bei der öffentlichen Bekundung von zwischenmenschlichen Beziehungen, sexuellen Kontakten beziehungsweise sexuelle Neigungen äußerst zurückzuhalten. Homosexualität oder homosexuelle Handlungen stehen unter Strafe und werden mit Freiheitsentzug geahndet.


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