g Länderübersicht - Ägypten

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Ägypten Land: eg

Risikostufe:
Risikostufe 3
Staat Ägypten

Arabische Republik Ägypten

Hauptstadt: Kairo
Fläche: 1.001.449 qkm
Bevölkerung: 80, 5 Mio. (Juli 2010)
Währung: 1 ägyptisches Pfund = 100 Piaster
Staatsform: Republik
Amtssprache: Arabisch

Risiken

  • Kriminalität
  • Terrorismus
  • Demonstrationen und Unruhen

Übersicht

Am 11. Februar 2011 trat Präsident Hosni Mubarak nach drei Jahrzehnten an der Spitze des Staates offiziell zurück und legte die Macht in die Hände eines Militärrats. Der Umsturz war eine unmittelbare Folge der Revolte in Tunesien im Jänner 2011, die schließlich auch auf Ägypten übergegriffen hatte. Nach neuerlichen Massenprotesten am 11. Februar übernahm schließlich ein Militärrat die politische Führung, am 30. Juni 2012 wurde Mohammed Morsy, Mitglied der jahrelang verbotenen Moslembruderschaft (MB), als erster demokratisch gewählter Präsident Ägyptens angelobt. Nach Massenprotesten gegen die Islamisten putschte am 3. Juli 2013 die Armee und setzte Präsident Morsy ab. Nach Zusammenstößen zwischen Säkularen und Islamisten begannen die Sicherheitskräfte am 14. August 2013 mit der Räumung der Protestcamps der Islamisten in Kairo: die Übergangsregierung verhängte den Ausnahmezustand, mehr als 750 Menschen wurden getötet. Im Frühjahr 2014 wurde der ehemalige Armeechef Abdel Fattah Al-Sisi zum neuen Präsidenten gewählt.

In Kairo und Alexandria finden weiterhin regelmäßig  Proteste gegen die Regierung statt, dabei kommt es fallweise auch zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Die Sicherheitskräfte haben seit 2014 ihre Überwachungsmaßnahmen verstärkt und gehen effektiv gegen oppositionelle Regungen vor. Ende 2015 hat Präsident Al-Sisi allerdings Versuche unternommen, mit der Moslembruderschaft erneut eine Gesprächsbasis zu finden. Teile der MB haben sich seit ihrem Verbot aber radikalisiert und dürften sich nun verstärkt terroristischen Aktivitäten zuwenden.

Während die etablierten Terrorgruppen Al-Gama'a al-Islamiyya und Al-Gihad, die für die verheerenden Anschläge der 1990er Jahre verantwortlich waren, ihre Aktivitäten weitgehend eingestellt haben, sind in den letzten Jahren einzelne Terrorzellen entstanden, die sich an der Al-Qaeda orientieren und relativ unabhängig voneinander operieren. Die Behörden vermuten auch, dass Beduinen von der Sinai-Halbinsel überdurchschnittlich oft in Terroranschläge involviert sind und haben deshalb ihre Präsenz in diesem Bereich verstärkt. Die Beduinen fühlen sich teilweise als Bürger zweiter Klasse und dürften daher empfänglicher für die islamistische Propaganda sein.


Auf der Sinai-Halbinsel werden bisweilen Touristen von Beduinen entführt, diese wollen damit meist verhaftete Verwandte freipressen. In den letzten Jahren hat sich außerdem die islamistische Terrorgruppe Ansar Bayt al-Maqdis ("Unterstützer Jerusalems") etabliert, am 5. Juli 2012 gab die Gruppe Ansar al-Sharia ihre Gründung bekannt. Diese droht explizit mit Anschlägen auf die Sicherheitskräfte, Funktionäre und Anhänger säkularer Parteien und Angehörige der koptisch-christlichen Minderheit. Auch der Islamische Staat verübt immer wieder Anschläge gegen Sicherheitskräfte und Angehörige religiöser Minderheiten auf der Sinai-Halbinsel.


Die Kriminalität, die in Ägypten traditionell niedrig war, ist seit der Revolution deutlich angestiegen. Morde, Raubüberfälle und Entführungen haben stark zugenommen. Die Behörden machen für die Entwicklung vor allem die schwache Polizeipräsenz verantwortlich, aber auch die schlechte Wirtschaftslage und die politische Unsicherheit werden immer wieder zur Erklärung des Trends ins Treffen geführt. Ein spezifisches Problem in Ägypten sind die Fälle von sexuellen Übergriffen gegen Frauen.

Sicherheitshinweise für Frauen

Allein reisende, westlich gekleidete Frauen werden immer wieder Opfer von Belästigungen (Arab. "taharrush") und tätlichen Angriffen. Seit dem Sturz von Hosni Mubarak soll das Phänomen immer größere Ausmaße angenommen haben. Im Zuge der Demonstrationen der letzten Jahre wurden auch zahlreiche Aktivistinnen und mehrere ausländische Journalistinnen Opfer von Belästigungen und Vergewaltigungen. Die Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat sich seit dem Sommer 2014 verstärkt des Problems angenommen, Kritiker werfen der Politik aber Populismus und Aktionismus vor.


2014 gab es laut der britischen Botschaft insgesamt 21 gemeldete Fälle von sexuell motivierten Übergriffen auf britische Frauen. Manche dieser Vorfälle ereigneten sich an vermeintlich sicheren Plätzen wie beispielsweise Hotels, weitere Tatorte waren Taxis und öffentliche Kleinbusse. Die einheimischen Behörden raten allein reisenden Frauen davon ab, als letzte Person in einem öffentlichen Kleinbus zu verbleiben. Die örtlichen Sicherheitskräfte sind nicht immer willens und/oder in der Lage, effektiv einzuschreiten. Vom Tragen allzu freizügiger Kleidung, Beispielsweise Minirock, Oberteilen mit Spaghettiträgern, hautengen Oberteilen und Hosen, etc., wird ebenfalls abgeraten. Das Verdecken der Oberarme und der Beine ist in religiösen Einrichtungen verpflichtend und wird an öffentlichen Orten grundsätzlich empfohlen. Prostitution und Ehebruch stellen Tatbestände dar und werden strafrechtlich verfolgt. Homosexualität ist in Ägypten grundsätzlich erlaubt, jedoch stehen homosexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit sowie außerehelicher Geschlechtsverkehr unter Strafe. Die öffentliche Zurschaustellung von Zuneigung wird nicht gerne gesehen.


Grundsätzlich gelten Gesetze zum Schutz der Moral und der Religion, es ist bisher aber kein Fall bekanntgeworden, in dem Tourisen nach diesen Paragraphen bestraft worden wären.


2010 riefen einige Aktivisten die HarassMap ins Leben, eine online-Plattform, wo Betroffene sexuelle Übergriffe per SMS melden können. Die Seite, die in Englisch und Arabisch verfügbar ist, bietet auf Basis dieser Informationen eine Risikolandkarte für den Großraum Kairo sowie eine statistische Übersicht über die verschiedenen Deliktsarten. Die Betreiber der HarassMap wollen mit ihrer Initiative einen Beitrag dazu leisten, der sozialen Akzeptanz der sexuellen Belästigung von Frauen in der Öffentlichkeit die Grundlage zu entziehen. Auf facebook ist seit 2011 die Initiative Operation Anti Sexual Harassment/Assault aktiv, die ebenfalls Bewußtseinsbildung betreiben will.


Offiziell gibt es in Ägypten ca. 20.000 Vergewaltigungen in Ägypten, wobei Vergewaltigungen in der Ehe strafrechtlich nicht abgedeckt sind. Aktivisten gehen allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer bei über 200.000 Fällen liegen könnte. Laut dem Egyptian Center for Women´s Rights (ECWR) werden Täter auch durch züchtige Kleidung und zurückhaltendes Verhalten kaum abgeschreckt. Laut einer Studie haben 62% aller ägyptischen Männer zugegeben, Frauen sexuell belästigt zu haben, laut 53% der Männer seien die betroffenen Frauen aufgrund ihres "aufreizenden Verhaltens" selbst dafür verantwortlich. Die UNO schätzt, dass 99,3% aller ägyptischen Frauen bereits Opfer irgendeiner Art von sexueller Gewalt geworden sind.



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