g Länderübersicht - Frankreich

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Frankreich Land: fr

Risikostufe:
Risikostufe 2
Staat Frankreich

Französische Republik

Hauptstadt: Paris
Fläche: 547.026 qkm (ohne Überseegebiete)
Bevölkerung: 66.991.000 (2017, ohne Überseegebiete)
Währung: 1 Euro = 100 Cent
Staatsform: Semipräsidiale Republik
Amtssprache: Französisch

Risiken

  • Kriminalität
  • Terrorismus
  • Demonstrationen und Unruhen

Übersicht

Frankreich hat traditionell eine der höchsten Gewaltkriminalitätsraten in der westlichen Welt. Reisende sind in der Regel von Alltags- und Kleinkriminaltät betroffen, vor allem in den großen Städten. In Paris sind Diebstahl und Taschendiebstahl, Einbrüche, Kleinbetrug, Raubüberfälle (oft sind die Täter mit dem Motorrad unterwegs und entreißen ihren Opfern Taschen und Rucksäcke), Vandalismus, Autoeinbrüche und –diebstahl sowie Kreditkartenbetrug die häufigsten Delikte. Als gefährlich gelten insbesondere das Umfeld touristischer Sehenswürdigkeiten sowie Verkehrsknotenpunkte, öffentliche Verkehrsmittel und Einkaufszentren. Auf Korsika liegt die Kriminalität allgemein höher als im Rest von Frankreich, Marseille gilt als die Stadt mit der am tiefesten verwurzelten Organisierten Kriminalität. Obwohl die Statistiken einen Rückgang der Kriminalität in den letzten Jahren verzeichnen fühlt sich die Bevölkerung zunehmend unsicher. Die innere Sicherheit ist insgesamt ein wichtiges Thema der öffentlichen Debatte.


In den letzten Jahren kam es in den Vorstädten (banlieues) von Paris und anderen großen Städten wiederholt zu heftigen Ausschreitungen zwischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund und der Polizei. Die Regierung hat seitdem einige Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Lage der Einwohner sowie der Infrastruktur verabschiedet, die grundlegenden Probleme wurden damit aber kaum gelöst. Obwohl seit den schweren Zusammenstößen im Herbst 2005 größere Unruhen ausgeblieben sind, bleibt die Lage weiterhin labil. 2012 starteten die Sicherheitskräfte in einigen Städten große Operationen zur Befriedung unruhiger Stadtviertel, nachhaltige Erfolge wurden bisher aber nicht erzielt.


Demonstrationen und Streiks haben in Frankreich eine lange Geschichte und werden von Parteien, zivilgesellschaftlichen Gruppen oder den traditionell aufmüpfigen Gewerkschaften organisiert. Angesichts der zunehmend spürbaren Wirtschaftskrise und der drückenden Steuererhöhungen kam es im Herbst 2013 zunächst in der Bretagne zu teils gewaltsamen Demonstrationen. Innerhalb kürzester Zeit breiteten sich die Proteste gegen die Regierung von Präsident Francois Hollande auch auf andere Teile des Landes aus. Federführend sind dabei immer stärker konservative zivilgesellschaftliche und politische Organisationen die sich zunächst gegen die Homo-Ehe wandten, inzwischen aber den Kurs der Regierung ganz grundsätzlich kritisieren. Einen neuerlichen Höhepunkt erreichten die Proteste gegen die Regierung im Frühjahr 2016, dabei kam es mit Unterstützung der Gewerkschaften zu landesweiten Protesten und Blockadeaktionen.


Frankreich hat seit Jahrzehnten mit terroristischen Anschlägen zu kämpfen. In den letzten Jahrzehnten waren korsische und baskische Separatisten die größte Gefahr während in den 1990er Jahren vor allem algerische Islamisten einige Anschläge in Frankreich verübten. Derzeit gelten transnational agierende Islamisten als die größte Gefahr, während die Anschläge korsischer Gruppen vorwiegend Sachschaden verursachen. Aufgrund der militärischen Intervention Frankreichs gegen die syrisch-irakische Gruppe Islamischer Staat im Herbst 2014 intensivierte sich auch die Bedrohung durch islamistisch motivierte Anschläge. Eine schwere Anschlagsserie mit mehr als 130 Todesopfern fand am 13. November 2015 in Paris statt und ein weiterer folgenschwerer Anschlag mit 86 Toten ereignete sich in Nizza am 14. Juli 2016. Im Sommer 2016 kündigte die Regierung die Aufstellung einer Nationalgarde an um die Sicherheitskräfte bei Bedarf verstärken zu können.


Seit Juni 2017 ist die kostenpflichtige App No-Go Zone Premium für Smartphones (Android und iOS) verfügbar. Das Programm bietet einen Überblick über laufende Vorfälle in Paris und soll insbesondere Frauen auf Hotspots der lokalen Kriminalität und sonstige Risiken hinweisen.

Sicherheitshinweise für Frauen

Abseits der üblichen Klischees ist sexuelle Belästigung in Frankreich weit verbreitet und die teils aggressiven Anbahnungsversuche von Einheimischen werden von vielen ausländischen Besucherinnen als unangenehm und aufdringlich empfunden. Einheimische Frauen kleiden sich in der Regel stilvoll, aber konservativ, kurze Hosen oder Miniröcke sind typische Kennzeichen von Touristinnen. In der Öffentlichkeit bewegen sich Französinnen meist zurückhaltend und vermeiden Blickkontakt mit Männern. Beobachter führen dies auch darauf zurück, dass insbesondere Einwanderer aus Nordafrika besonders aufdringlich sind und höflich-ablehnende Gesten unter Umständen missverstehen bzw. missverstehen wollen. Einige banlieues haben sich unter dem Einfluss lokaler Salafisten de facto zu No-go Areas für Frauen entwickelt. Im November 2017 kündigte Präsident Emmanuel Macron ein Maßnahmenpaket gegen Sexismus und Gewalt gegen Frauen an. So können etwa Vergewaltigungsanzeigen online abgegeben werden, bevor eine betroffene Frau aufs Polizeirevier gehen muss. Nach Einbruch der Dunkelheit dürfen Frauen außerdem Busse auch zwischen den Haltestellen anhalten, der Fahrer muss sie dann dort zusteigen lassen. Die Maßnahmen zielen insbesondere darauf ab, das Sicherheitsgefühl von Frauen im öffentlichen Raum zu erhöhen.


Von Reisen per Anhalter wird insgesamt abgeraten, insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit. Die U-Bahnen gelten insgesamt als relativ sicher, in der Nacht kann es allerdings zu ungewollten Begegnungen in Waggons oder Stationen kommen.


Über die Zahl der Vergewaltigungen in Frankreich liegen sehr unterschiedliche Zahlen vor. 2014 wurden knapp 13.000 Fälle offiziell angezeigt, Frauenrechtsgruppen gehen allerdings von bis zu 75.000 Vergewaltigungen pro Jahr aus. Für Aufsehen haben in den letzten Jahren immer wieder Gruppenvergewaltigungen durch Zuwanderer in den berüchtigen banlieues gesorgt, die als tournantes ("Kehre") bezeichnet werden. Aktivistinnen kritisieren inbesondere die Justiz für zu geringe Strafen für die Täter. Neben Paris gelten insbesondere die Städte Südfrankreichs als besonders unsicher. Die in Paris ansässige Organisation CFCV (Collectif Féministe contre le viol) betreibt eine Hotline für Vergewaltigungsopfer, die von Montag bis Freitag von 10:00 bis 19:00 h unter der Nummer 0800 059595 kostenlos erreichbar ist, die Polizei kann unter der Telefonummer 17 kontaktiert werden.


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